bananaheader0309 the banana skirt chronicles: February 2013

Thursday, February 28, 2013

Umweltengel

"Ist das im Angebot?"

Fragt eine zickige Stimme den Kassierer unseres Stammdrogeriemarktes, als er mein Riesensuperdupersparpaket Toilettenpapier über den Scanner zieht.
 Eine Frau, Mitte/Ende 40, die ich schon öfter in unserem Viertel gesehen habe und die mir immer wieder wegen ihres exzentrischen Kleidungsstils auffällt, deutet auf die geschätzten 50 Rollen Papier. Im Sommer trägt sie gerne riesige Blumen und pfundweise lange Ketten, heute ist sie der Temperatur angemessen warm gekleidet – um die enge schwarze Skimütze hat sie einen ca. 30cm hohen Turban geschlungen, die schicke enge, hellblaue Steppjacke und schwarze Hose kontrastieren stilmäßig mit einem als Rock um die Hüfte gewundenen Indioschal und braunen Fransenstiefeln, abgerundet wird das Ensemble durch eine getönte Nickelbrille. Hipster meet Hippie meets Fahrradkurier.

"Nein, das haben wir eigentlich immer."
"Aber da steht doch drauf: 'Riesensuperdupersparpaket'!"
 Der Kassierer zuckt mit den Schultern.
"Jedenfalls ist es gebleicht, ich frage mich, wie da das Umweltsiegel drauf kommt," trötet sie vorwurfsvoll laut in die Runde.
Der Kassierer und ich grinsen uns an, die Frau ist zu sehr mit ihrer Empörung und Kleingeldzählen beschäftigt, um uns zu bemerken.
Ihr Biomüsliriegel wird eingescannt.
"49 Cent."
"Hier, ich habe es passend!"
Auch das klingt nach Vorwurf, vermutlich hat sie auch noch flugs die benötigten Wattstunden durchgerechnet, die meine EC-Karten-Zahlung gerade gekostet hat.
"Kassenbon?" fragt sie der immer noch freundliche Drogerieangestellte.
"Ja bitte..."
Für 49 Cent. Ich will gerade scherzhaft anmerken, dass das ja wohl totale Papierverschwendung sei, da spricht sie schon weiter:
"...der ist immer so lang, da kann man sich noch was drauf notieren!"
Der Kassierer reisst sich absolut bewunderungswürdig zusammen und reicht Ihr den Zettel.
"Oh! Der ist ja gar nicht mehr so lang! Früher konnte man damit doch immer noch was gewinnen, da war er größer!"
Engelsgeduldig will ihr der Verkäufer erklären, dass die Aktion abgelaufen ist, aber sie ignoriert ihn.
Ich packe immer noch ein, natürlich extra langsam und sorgfältig, um nichts zu verpassen. Stimmt, letztes Jahr konnte man jede Woche ein Auto gewinnen. Aber was will die denn mit einem ...
"Gewinnen, genau! So einen VERGASER! Als ob davon nicht schon genug durch die Gegend fahren!"
Jetzt kann sich auch der Kassierer nicht mehr zusammenreissen und tarnt einen entweichenden Lacher sehr wenig überzeugend mit einem Husten. Das hat der personifizierte Umweltengel dann doch mitbekommen.
"Ich sage immer, was ich denke!" und rauscht mit ihrem Müsliriegel an mir vorbei durch die Tür.

Was übrigens noch mehr Papier, Druckerschwärze und vor allem Geld spart?
Wenn man die Hochglanzzeitschriften gleich vor Ort im Laden liest. Damit war sie nämlich eine halbe Stunde beschäftigt, während ich meine Einkäufe zusammensuchte.

Friday, February 22, 2013

Jede gute Tat wird bestraft.

"Klingeling!!!" 
"Ja?"
"Frau Fitz, ich habe hier ein Paket für Sie...und kann ich noch eines für Buttgereit abgeben?"
"Klar, ich kommen Ihnen entgegegen!"
Im dritten Stock treffe ich auf den Paketpoten, der einen Karton in der Größe einer Schuhkommode mit einem riesigen Erschöpfungsschnaufer über den Treppenabsatz schiebt. 
"Hier ist Ihre Sendung..." Er übergibt mir – ungelogen – einen DINA5-Umschlag.
"Und das ist das Paket für Herrn Buttgereit..."
Er deutet auf die Box in Schuhkommodengröße. Hebt den Karton an, drückt ihn mir in die Arme, die zu kurz sind, um ihn richtig fassen zu können. Ich schwanke. Laut Abbildung auf der Vorderseite ist keine Schuhkommode drin, aber ein Designer-Schreibtischstuhl aus Leder und Stahl.
"Ähm, soll ich den jetzt etwa in den 5. Stock tragen?"
1,85 Meter auf etwa 110 Kilo geballte Muskelkraft gucken mich verständnislos an.
"Hmmm, ja..."
"Tut mir leid, aber den krieg ich da nicht hoch."
"Na gut..." Und läuft übellaunig grummelnd hinter mir her.

Und Herr Buttgereit freut sich sicher auch, den Stuhl bei uns im 5. Stock, statt im Laden im Erdgeschoss abholen zu dürfen.