bananaheader0309 the banana skirt chronicles: February 2012

Wednesday, February 08, 2012

Mein Vater, der Held

Immer, wenn ich zu meinen Eltern fahre, steht auch ein Besuch in einem großen schwedischen Möbelhaus an, dessen Filiale kaum günstiger liegen könnte.
Außerdem ist es mit Sicherheit die leerste Filiale, die das Unternehmen betreibt. An guten Tagen schafft man es in nur einer halben Stunde, das, weswegen man eigentlich gekommen ist, nicht zu finden und mit dem obligatorischen Päckchen Servietten die Kasse zu passieren.
Auch an diesem Morgen sind mein Vater und ich besonders schnell und früh dran, dennoch hat sich an der einzigen geöffneten Kasse (ja, es ist auch die einzige Filiale, die sich das Öffnen von nur einer Kasse leisten kann) schon eine moderate Schlange gebildet. Es geht nur schleppend voran und der Mann vor uns, der "nur mal eben so" seine Schrankwand bezahlen will, verdreht bereits die Augen. Als er dann an der Reihe ist, erfahren wir auch den Grund für die langsame Abfertigung – im Zuge einer Marktstudie werden bei den Kunden die Postleitzahlen erfragt und von der Dame an der Kasse in Zeitlupentempo sowie mit höchster Konzentration in ein Gerät eingegeben. Der Herr vor uns gibt bereitwillig Auskunft.
Dann werden wir abkassiert und von der leicht überfordert wirkenden Marktangestellten ebenfalls nach unserer Postleitzahl befragt. Ich öffne schon den Mund, um meine Angaben zu machen, aber mein Vater ist schneller.
"47..."
Kassiererin tippt.
"...11."
Kassiererin tippt.
Sie guckt erwartungsvoll von ihrem Eingabegerät hoch.
Mein Vater lächelt.
"4711...," wiederholt sie laut, guckt ihn noch mal abwartend an, denn zur Postleitzahl fehlt ja noch eine Ziffer. Dann scheint der Groschen plötzlich zu fallen.
"Also hören Sie mal – wenn Sie bei der Marktforschung nicht mitmachen wollen, dann sagen sie das doch einfach! Wir brauchen Ihre Angaben doch nur, damit wir wissen, wie gut unsere Kataloge in welchen Einzugsgebieten funktionieren."
"Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich eine Frage beantworte!"
"Aber Sie bringen doch das ganze System durcheinander!"
"Ist mir egal, ich will doch einen Weltkonzern nicht auch noch freiwillig mit meinen privaten Daten füttern!"
Hinter uns die Schlange wieder angewachsen, Kunden scharren ungeduldig mit den Füßen.
"Jetzt muss ich das alles wieder aus dem System löschen...also wirklich, wegen einer Postleitzahl muss man sich doch nicht so anstellen," jammert die Dame an der Kasse, während wir unsere Papierservietten unter den Arm klemmen.

Nächstes Mal besuchen wir die Telekom.