bananaheader0309 the banana skirt chronicles: „Ist es nur schön, oder funktioniert es auch?“ (Lange Version, Teil 1)

Saturday, June 25, 2011

„Ist es nur schön, oder funktioniert es auch?“ (Lange Version, Teil 1)

Liebe hat viele Gesichter. Würde man den mir legal angetrauten Mann fragen, wie sie in seinem Falle aussieht, würde er sagen:“ Ich lebe in Berlin, obwohl mich diese Stadt fertig macht und in einer Wohnung voller Dinge, die zwar super aussehen, aber nicht funktionieren.“
Es heißt allgemein, was vererbt wird, überspringt manchmal eine Generation. Der Einrichtungseifer meiner Großmutter ist an mich weitergegeben worden. Meiner Oma hat nichts mehr Spaß gemacht, als Möbelrücken. Auch gern in fremden Wohnungen. Und ohne Wissen oder Einverständnis der Eigentümer.
Als ich mit ihr mein damaliges Studenten Wohnklo besichtigte, war sie schon weit über Achtzig. Ihre Augen fingen plötzlich an zu glitzern, wie ich es lange schon nicht mehr gesehen hatte und ich konnte sie nur mit Mühe davon abhalten, das Bett eigenhändig in die andere Ecke zu heben.
Ich kann jahrelang das gleiche T-Shirt tragen (mit den entsprechenden Waschpausen, versteht sich) und finde Schuhe kaufen nur mäßig interessant, aber Einrichtungsgegenstände sind meine große Schwäche.


Gerne erzählt der Gatte die „Geschichte vom Stinke-Stuhl“. Nein – das ist jetzt nicht so offensichtlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Kurz nachdem wir eingezogen waren, entdeckte ich vor dem kleinen Laden im Nachbarhaus, der „moderne Antiquitäten“ auf „stylishste“ Art und Weise präsentiert, einen weißen Stuhl. Der sah verdächtig aus wie...nein...ist es möglich? Könnte es ein echter Eero Saarinen „Tulip Chair“ sein? Er hatte ein leicht fleckiges, dunkelrotes Ledersitzpolster, war aber ansonsten fast makellos. Dabei war er gar nicht so teuer. Er stand aber hartnäckig wie festgewurzelt mehrere Wochen vor der Tür, es fand sich offenbar kein Käufer. All meinen Mut zusammen nehmend betrat ich den Laden und tat etwas, was ich sonst nie tue – ich handelte den Verkäufer herunter. Um gut 20 Euro. Im Nachhinein hätte ich vielleicht stutzig werden sollen, wie einfach sich das Herunterhandeln gestaltet hatte... aber Adrenalin schoss noch durch meinen zitternden Körper. Euphorisch schulterte ich meine Beute, um sie anschließend stöhnend und keuchend in den 5. Stock zu schleppen. Ich säuberte den Stuhl und bearbeitete das Polster ausgiebig mit Lederreiniger. Stolz platzierte ich ihn in meiner Schreibtischecke im Wohnzimmer. Schön. Ein paar Tage später jedoch, während eines Fußballspiels vor dem Fernseher, rümpfte der Gatte die Nase. Ein unangenehmer, strenger Geruch lag in der Luft. Auch mir war in den Tagen zuvor immer so, als röche irgendetwas seltsam. Zuerst hatte ich mich selbst in Verdacht, denn an stressigen Tagen kann das Deodorant schon mal seinen Dienst versagen. Wir schnüffelten. An mir. An ihm. Wir waren es nicht. Und schnüffelten weiter. Bis wir nach noch längerem Geschnüffel schließlich den Übeltäter ausmachten - der Stuhl.
Die gute Nachricht: Es ist tatsächlich ein echter „Tulip Chair“. Die schlechte: Er riecht, als hätten 50 nackte Bauarbeiter 10 Tage ununterbrochen „Reise nach Jerusalem“ darauf gespielt. Nun wusste ich auch, warum der Stuhl – selbst bei Nieselregen – immer vor und nicht im Laden gestanden hatte.
In meiner Verzweiflung besprühte ich den Stuhl mit allem, was die Chemieindustrie für solche Fälle bereithält. Nichts half. Ich montierte ihn komplett auseinander, schrubbte, besprühte...er müffelte nach wie vor strenger als der Umkleideraum in einer Jungeninternatsturnhalle.
Zum Schluss betackerte ich den Sitz mit einem neuen Überzug aus schwarzem Kunstleder, um so quasi den Gestank hermetisch abzuriegeln. Doch das klappte nur zum Teil. Der Geruch selbst wurde nur wenig gemildert. Zumindest musste ich mir aber nun beim Anblick des Sitzpolsters nicht mehr vorstellen, wie schwitzige nackte Pobacken nasse Flecken auf dem Leder hinterlassen hatten.
An warmen Tagen jedoch, oder wenn gut geheizt ist, weht immer noch eine leichte Schweißfahne durch das Wohnzimmer - dabei steht der Stuhl schon neben der geöffneten Tür.

Besonders stolz war ich auch auf unsere historische Brotschneidemaschine. Brotschneidemaschine ist eigentlich falsch – maschinell funktioniert da gar nichts und mit ihrem Fallbeil ähnelt sie eher einer Puppenguillotine.
Wochenlang lang ich bei ebay auf der Lauer, bis endlich der große Tag kam. Triumphal hielt sie in unserer Küche Einzug. Der Gatte, der schon lange auf eine Vorrichtung zum Brotschneiden gewartet hatte, freute sich. Es hielt nicht lange. Er versuchte sein ‚Pfiffikus’-Brot in der Maschine unterzubringen: „Es passt nicht rein.“ „Ja-ha, früher war Backgut auch noch viel kleiner. Du musst den Laib erst längs zerteilen...ist ja auch viel praktischer, dann hat man gleich eine halbe Scheibe...“ Gatte (jetzt fluchend): „Passt immer noch nicht.“ „Ich glaube, Du musst die Kanten noch etwas begradigen, so...“ Irgendwann hatten wir den Laib auf die Größe eines Baguettebrötchens zurechtgeschnitzt. „Es passt, klappt doch prima! Jetzt nur noch den Hebel herunterdrücken...“ Zunächst quetschte die Maschine das Brot nur wie einen Schwamm zusammen. Mit äußerster Kraftanstrengung „teilte“ der Schneideapparat dann tatsächlich ein Stück vom Laib ab...oder sagen wir besser „riss“ es herunter. Die „Scheibe“ war etwa 3 cm dick. „Klappt doch prima. Wir müssen nur die Klinge noch etwas schärfen lassen...“ Das müssten wir seit etwa drei Jahren. Die Maschine schleifen zu lassen würde aber voraussetzen, dass man wüsste, wo. Sie auf Verdacht einfach mal mitzunehmen, dafür ist sie mit ihren etwa 5 Kilo in Gusseisen leider zu schwer.

5 Comments:

Anonymous Kaal said...

Vielleicht verwest etwas in einem der Hohlräume vor sich hin. Dann stellt sich der Geruch in ein paar Jahren zumindest von selber ein.

4:30 AM  
Blogger Anke said...

Herr Kaal, ich habe den Stuhl in mikroskopisch kleine Teile zerlegt...nix. Vielleicht ist ein Geist an den Stuhl gefesselt, der nur durch absonderlichen Körperduft auf sich aufmerksam machen kann?

4:41 AM  
Blogger Schinken oder Käse said...

Hurraaa - das Bananenröckchen lebt doch noch!!!

7:39 AM  
Anonymous uli said...

Meeeeeeeehr!

3:12 AM  
Anonymous Torsten said...

"Ist es nur schön, oder funktioniert es auch?"

Du bewertest damit Möbel, aber als ich die Überschrift gesehen habe... ich frage mich das gerade über meine Beziehung. Die Antworten auf die Teilfragen lauten immer klarer "Ja" und "Nein".

Ob ich vielleicht die Klinge mal schärfen lassen sollte ...?

5:49 AM  

Post a Comment

Links to this post:

Create a Link

<< Home