bananaheader0309 the banana skirt chronicles: June 2011

Sunday, June 26, 2011

"Ist es nur schön, oder funktioniert es auch?“ (Lange Version, Teil 2)

Ähnlich schwierig verhielt es sich mit unserem Duschvorhang. Ich hatte Freunde bekniet, von ihrer Hochzeitsreise in die Staaten „...falls es zufällig in ihre Reiseroute hereinpassen würde...“ aus einer bestimmten Ladenkette (die nicht nach Deutschland liefert) einen Duschvorhang mitzubringen. Der war auch wirklich großartig. Aus bunt gestreiftem Stoff gefertigt, war auf Kopfhöhe ein breiter Streifen aus durchsichtigem Plastik eingelassen, damit man beim Duschen durch den Vorhang beobachten konnte...ja was eigentlich? Egal. Tatsächlich hatten sie also den Vorhang unter einigen Entbehrungen mit nach Deutschland gebracht und alsbald hing er stolz in unserer Nasszelle. Bis irgendwann der Gatte anmerkte: “Ähm...immer wenn ich dusche, steht hinterher das Bad komplett unter Wasser. Meinst Du, das könnte vielleicht an dem neuen...“ Ich (pikiert): „Quatsch! Du musst einfach nur den Vorhang beim Duschen IN die Wanne ziehen.“ „Mach’ ich doch schon, ich bin ja nicht bescheuert.“ Gut. Nach sorgfältiger Beobachtung stellte sich dann heraus – der schicke neue Duschvorhang hielt tatsächlich kein Wasser ab, das sickerte nämlich durch die Nähte des Klarsichtfensters. Aber das ließ sich leicht beheben. Ich kaufte einen billigen Plastikfolienduschvorhang und hängte ihn hinter den schönen Duschvorhang. Die Stange hielt das gerade noch so aus. Getrübt wurde das nasse Vergnügen ab dann nur davon, dass sich der billige Vorhang zwangsläufig an den Körper ansaugte, sobald man die Brause aufdrehte.


Andere Gegenstände brachten noch unvorhersehbarere Probleme mit sich. Eines Abends fand ich den Mann auf dem Bauch, halb hinter dem Fernseher liegend. Auf die interessierte Frage, was er denn da wohl mache, kam nur die halbgeknurrte Antwort: „Deine Scheißlampe beeinträchtig meine Premiere-Übertragung! Immer, wenn ich das Mistding einschalte, flackert das Fernsehbild!!!“ Meine Original Kaiser Idell-Lampe, die in Berliner Designläden im gleichen Erhaltungszustand etwa 300 Euro kostet, von mir aber auf dem Mauerparkflohmarkt für etwa 30 erworben wurde? Unmöglich. „Die Lampe kostet bei ‚Schick&Überteuert mehr als 300 Euro...,“ maulte ich, in der Hoffnung, dieser Wahnsinnsbetrag würde ihm den Wind aus den Segeln nehmen. „Können wir sie dann nicht einfach verkaufen?!“ „Mach’ sie doch aus.“ Nun fing er verdächtig schwer zu schnaufen an. „Das würde ich ja, sie ist aber die einzige Lichtquelle im Raum!!!“ Oh ja. Schlechtes Thema. Da irgendwann einmal jemand, der vor uns in der Wohnung wohnte, aus einem großen Zimmer zwei (nämlich unser Arbeitszimmer und Wohnzimmer) gemacht hatte, verlief die Lichtleitung nun an der Wand und nicht in der Mitte der Decke. Aus diesem Grund hatte ich irgendwann einmal eine Wandschalenlampe angebracht. Da sie ziemlich hässlich (aber unglaublich billig) war, hatte ich sie mit der Wandfarbe gleich mit übergestrichen, damit sie nicht so auffiel. Dummerweise war die Lampe (weil auch draußen verwendbar) von allen Seiten dicht und die Öffnungsfugen hatte ich offenbar mit zugepinselt. Als irgendwann - nach etwa einem halben Jahr - die Birne durchbrannte, kamen wir nicht mehr an das Leuchtmittel heran...außer, wir hätten die komplette Lampe mit roher Gewalt von der Wand gerissen. So saßen wir also fortan im dunklen...bis auf die im Raum verteilten Tischleuchten, an die man sich aber erstmal herantasten muss. Um die Kaiser Idell zu erreichen, muss man einmal quer durch den Raum, dann über einen Fußschemel und dann das Sofa klettern. Die Lampe gleich an der Tür hat einen schwarzen Schirm und eine Energiesparbirne, die so dunkel ist, dass wir auch einfach die Tür des Kühlschranks nebenan in der Küche offen stehen lassen könnten.

Es ist nicht immer einfach, jemandem, dem die Einrichtung piepegal ist, die Vorzüge von - zum Beispiel - Feng Shui zu erklären. Das das geschliffene Kristallherz, welches an einem Nylonfaden vor dem Fenster hängt, dazu da ist, durch die Lichtbrechung positives Chi im Schlafzimmer zu verteilen. Liebesglück ist damit quasi auf Lebenszeit garantiert. Nein, der Mann ärgert sich lieber darüber, dass er sich besagtes Herz jeden Morgen beim Öffnen des Rollladens ins Auge haut.


Was jedoch endgültig das Fass zum Überlaufen brachte, war allerdings – wie passend – der Wasserkocher. Aus gebürstetem Edelstahl. Superschick und unglaublich schnell, das Wasser kochte schon fast beim Einfüllen. Dummerweise fing er genau nach Ablauf der Garantie an zu tropfen wie ein undichtes Lama. Natürlich nur, wenn das Wasser schon gekocht hatte. Was hieß, wenn wir uns eine Tasse Tee aufgossen, mussten wir das nicht nur direkt über der Spüle tun, sondern möglichst auch gleichzeitig wasserdichte Sicherheitsschuhe tragen. Nach einer besonders schmerzhaften Fenchelteeerfahrung hatte dann sogar ich die Nase voll. Ich tat das Unaussprechliche – ich wählte unseren neuen Wasserkessel unter den Siegern der Stiftung Warentest Zeitschrift aus. Zum Glück muss meine Oma das nicht mehr miterleben.

Saturday, June 25, 2011

„Ist es nur schön, oder funktioniert es auch?“ (Lange Version, Teil 1)

Liebe hat viele Gesichter. Würde man den mir legal angetrauten Mann fragen, wie sie in seinem Falle aussieht, würde er sagen:“ Ich lebe in Berlin, obwohl mich diese Stadt fertig macht und in einer Wohnung voller Dinge, die zwar super aussehen, aber nicht funktionieren.“
Es heißt allgemein, was vererbt wird, überspringt manchmal eine Generation. Der Einrichtungseifer meiner Großmutter ist an mich weitergegeben worden. Meiner Oma hat nichts mehr Spaß gemacht, als Möbelrücken. Auch gern in fremden Wohnungen. Und ohne Wissen oder Einverständnis der Eigentümer.
Als ich mit ihr mein damaliges Studenten Wohnklo besichtigte, war sie schon weit über Achtzig. Ihre Augen fingen plötzlich an zu glitzern, wie ich es lange schon nicht mehr gesehen hatte und ich konnte sie nur mit Mühe davon abhalten, das Bett eigenhändig in die andere Ecke zu heben.
Ich kann jahrelang das gleiche T-Shirt tragen (mit den entsprechenden Waschpausen, versteht sich) und finde Schuhe kaufen nur mäßig interessant, aber Einrichtungsgegenstände sind meine große Schwäche.


Gerne erzählt der Gatte die „Geschichte vom Stinke-Stuhl“. Nein – das ist jetzt nicht so offensichtlich, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Kurz nachdem wir eingezogen waren, entdeckte ich vor dem kleinen Laden im Nachbarhaus, der „moderne Antiquitäten“ auf „stylishste“ Art und Weise präsentiert, einen weißen Stuhl. Der sah verdächtig aus wie...nein...ist es möglich? Könnte es ein echter Eero Saarinen „Tulip Chair“ sein? Er hatte ein leicht fleckiges, dunkelrotes Ledersitzpolster, war aber ansonsten fast makellos. Dabei war er gar nicht so teuer. Er stand aber hartnäckig wie festgewurzelt mehrere Wochen vor der Tür, es fand sich offenbar kein Käufer. All meinen Mut zusammen nehmend betrat ich den Laden und tat etwas, was ich sonst nie tue – ich handelte den Verkäufer herunter. Um gut 20 Euro. Im Nachhinein hätte ich vielleicht stutzig werden sollen, wie einfach sich das Herunterhandeln gestaltet hatte... aber Adrenalin schoss noch durch meinen zitternden Körper. Euphorisch schulterte ich meine Beute, um sie anschließend stöhnend und keuchend in den 5. Stock zu schleppen. Ich säuberte den Stuhl und bearbeitete das Polster ausgiebig mit Lederreiniger. Stolz platzierte ich ihn in meiner Schreibtischecke im Wohnzimmer. Schön. Ein paar Tage später jedoch, während eines Fußballspiels vor dem Fernseher, rümpfte der Gatte die Nase. Ein unangenehmer, strenger Geruch lag in der Luft. Auch mir war in den Tagen zuvor immer so, als röche irgendetwas seltsam. Zuerst hatte ich mich selbst in Verdacht, denn an stressigen Tagen kann das Deodorant schon mal seinen Dienst versagen. Wir schnüffelten. An mir. An ihm. Wir waren es nicht. Und schnüffelten weiter. Bis wir nach noch längerem Geschnüffel schließlich den Übeltäter ausmachten - der Stuhl.
Die gute Nachricht: Es ist tatsächlich ein echter „Tulip Chair“. Die schlechte: Er riecht, als hätten 50 nackte Bauarbeiter 10 Tage ununterbrochen „Reise nach Jerusalem“ darauf gespielt. Nun wusste ich auch, warum der Stuhl – selbst bei Nieselregen – immer vor und nicht im Laden gestanden hatte.
In meiner Verzweiflung besprühte ich den Stuhl mit allem, was die Chemieindustrie für solche Fälle bereithält. Nichts half. Ich montierte ihn komplett auseinander, schrubbte, besprühte...er müffelte nach wie vor strenger als der Umkleideraum in einer Jungeninternatsturnhalle.
Zum Schluss betackerte ich den Sitz mit einem neuen Überzug aus schwarzem Kunstleder, um so quasi den Gestank hermetisch abzuriegeln. Doch das klappte nur zum Teil. Der Geruch selbst wurde nur wenig gemildert. Zumindest musste ich mir aber nun beim Anblick des Sitzpolsters nicht mehr vorstellen, wie schwitzige nackte Pobacken nasse Flecken auf dem Leder hinterlassen hatten.
An warmen Tagen jedoch, oder wenn gut geheizt ist, weht immer noch eine leichte Schweißfahne durch das Wohnzimmer - dabei steht der Stuhl schon neben der geöffneten Tür.

Besonders stolz war ich auch auf unsere historische Brotschneidemaschine. Brotschneidemaschine ist eigentlich falsch – maschinell funktioniert da gar nichts und mit ihrem Fallbeil ähnelt sie eher einer Puppenguillotine.
Wochenlang lang ich bei ebay auf der Lauer, bis endlich der große Tag kam. Triumphal hielt sie in unserer Küche Einzug. Der Gatte, der schon lange auf eine Vorrichtung zum Brotschneiden gewartet hatte, freute sich. Es hielt nicht lange. Er versuchte sein ‚Pfiffikus’-Brot in der Maschine unterzubringen: „Es passt nicht rein.“ „Ja-ha, früher war Backgut auch noch viel kleiner. Du musst den Laib erst längs zerteilen...ist ja auch viel praktischer, dann hat man gleich eine halbe Scheibe...“ Gatte (jetzt fluchend): „Passt immer noch nicht.“ „Ich glaube, Du musst die Kanten noch etwas begradigen, so...“ Irgendwann hatten wir den Laib auf die Größe eines Baguettebrötchens zurechtgeschnitzt. „Es passt, klappt doch prima! Jetzt nur noch den Hebel herunterdrücken...“ Zunächst quetschte die Maschine das Brot nur wie einen Schwamm zusammen. Mit äußerster Kraftanstrengung „teilte“ der Schneideapparat dann tatsächlich ein Stück vom Laib ab...oder sagen wir besser „riss“ es herunter. Die „Scheibe“ war etwa 3 cm dick. „Klappt doch prima. Wir müssen nur die Klinge noch etwas schärfen lassen...“ Das müssten wir seit etwa drei Jahren. Die Maschine schleifen zu lassen würde aber voraussetzen, dass man wüsste, wo. Sie auf Verdacht einfach mal mitzunehmen, dafür ist sie mit ihren etwa 5 Kilo in Gusseisen leider zu schwer.