Zimtsterntaler
Momentan werden bei meinen Eltern Fenster und Türen gestrichen, für etwa eine Woche sind also die Maler eingezogen. Eingezogen ist bestimmt wörtlich zu nehmen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sie am Ende eines Arbeitstages oder des Auftrages wieder nachhause gehen wollen.
Am ersten Tag um die Mittagszeit fand meine Mutter die Maler mit ihren mitgebrachten Broten auf dem Fußboden sitzend vor. "Kauernd," wie sie mir am Telefon mitteilte. (Und vermutlich kauend.) "...wie mehrere Häufchen Elend. Die taten mir richtig leid." Da mein Vater gerade plante, den Eintopf für das Mittagessen warm zu machen, bot meine Mutter der Streichmannschaft auch gleich etwas Suppe an. "Aber sie sagten, sie essen nur morgens eine groooooße Brotzeit und dann bis abends nichts mehr." Nun - mein Vater durfte an diesem Tag mittags auch nichts mehr essen, zumindest keine Suppe. "Du weißt doch, wie Appetit anregend das ist, wenn man Essensdüfte riecht. Da hätte ich mich schäbig gefühlt, wenn wir hier dick warmen Eintopf essen und die Armen ihre mitgebrachten Brote!"
Das "groooooße Brotzeit" nahm sie übrigens als Wink mit dem Zaunpfahl. Bevor die Maler anrücken "...fährt Deine Mutter nun jeden Tag morgens um halb acht zum Bäcker und kauft für 11 Euro belegte Brötchen," wusste mein Vater zu berichten. "Na da hätte ich mich echt schlecht gefühlt," sagte nun wieder meine Mutter. "Den ganzen Tag schwer arbeiten und dann nichts angeboten kriegen außer Kaffee, Plätzchen und Schokolade..." Ich:"Wie bitte - Du fütterst sie zusätzlich auch noch mit Plätzchen (selbstgebacken) und Schokolade?" "Na ich musste sie doch belohnen, weil sie so schnell mit der Arbeit vorankommen!"
An diesem Punkt würde es mich nicht mehr wundern, wenn wir Weihnachten dieses Jahr in einem etwas größeren Kreis feiern.






